Warum ich mich immer besonders über Einladungen an Mittelschulen freue?

Lesen Sie diesen aktuellen Bericht der „Mittelschule Taufkirchen an der Lindenallee“ und Sie werden dadurch erfahren, warum ich so gerne an Mittelschulen zu Lesungen, aber auch Schreibworkshops komme.

https://www.mittelschuletaufkirchen.de/aktuelles/autorenlesung-mit-ddr-zeitzeugin-juliane-breinl

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Ich kann mich übrigens auch noch sehr gut an meine allererste Lesung vor Schülern aus einer Mittelschule erinnern. Das war 2012 in München-Riem vor ungefähr 40 Kindern, wo sehr viele der Zuhörer aus prekären Verhältnissen kamen und auch einen Migrationshintergrund hatten. Eingeladen hatte mich Echo e.V. und gelesen habe ich aus meinem Erstling „Die Feuerbälle“, was zugleich ja auch eine Zeitzeugenbegegnung zum Thema DDR-Dikatur ist.

Ich war sehr nervös vor der Lesung, weil ich nicht wusste, ob ich die Kinder überhaupt mit diesem Thema erreiche. Ob sie eine Lesung, wo nicht so krasse action passiert, wie in den Filmen oder den YouTube-Videos, die sie bestimmt täglich konsumieren, nicht einfach nur als nervige Zeitverschwendung empfinden. Ja, ich fragte mich, ob die Kinder nicht selbst viel heftigere und drängendere Probleme haben und sie deshalb die Geschichte der Feuerbälle einfach nur albern und belanglos finden werden.

Nein, genau das Gegenteil war der Fall. Bei dieser Lesung entstand so viel echter Kontakt, wie bei keiner Lesung zuvor. Ohnmacht empfinden, Ungerechtigkeiten erleben, sich ausgegrenzt fühlen, … all das resonierte bei den Kinder. Sie hörten nicht nur zu, sie fieberten mit, sie stellten Fragen, wenn sie etwas nicht verstanden und dann passierte auch noch etwas. Ein Kind musste aufs Klo, konnte aber nicht, weil die Tür abgeschlossen war. Tatsächlich stellten wir fest, das wir alle miteinander, wie die Feuerbälle und all die Bürger damals in der DDR, eingeschlossen waren. Nicht raus konnten. Während ein Betreuer ganz spektakulär zu unserem Retter wurde und aus dem Fenster kletterte (es war im Hochparterre), redeten wir genau über das – wie das ist, wenn es in einem Unrechtsstaat u.a. eine scharf bewachte Grenze gibt, die mündige Menschen, die keine Verbrecher sind, einsperrt und ihnen damit auf ganz fundamentale Weise das Recht auf Selbstbestimmung nimmt.